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"Wohnen ist ein Menschenrecht"
Wohnungsnot und Armut in Entwicklungsländern bekämpfen – so lautet das Leitmotiv der Deutschen Entwicklungshilfe für soziales Wohnungs- und Siedlungswesen e. V., kurz DESWOS.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1969 in Köln besteht ihr Auftrag darin, Hilfe zur Selbsthilfe beim Bau von Wohnraum für notleidende Familien und bei der Sicherung ihrer Existenzen zu leisten. Schwerpunkt ihrer Arbeit sind sogenannte integrierte Projekte, bei denen gleichrangig neben dem Haus die Schaffung von Einkommen durch die Einrichtung von Arbeitsplätzen, die Ausbildung in besonders nachgefragten Berufen und die Verbesserung des Hygiene- und Gesundheitswesens sowie soziale Einrichtungen stehen. Gleichzeitig arbeitet die DESWOS an der Vernetzung ihrer Partner, um das durch Erfahrung gewonnene technische und soziale Know-how zu verbreiten.
Ulrich Wickert ist der Schirmherr der DESWOS
Als gemeinnütziger und privater Verein wird die DESWOS von den im GdW organisierten Verbänden der Wohnungswirtschaft und deren Mitgliedsunternehmen zusammen mit Unternehmen anderer Wirtschaftsbereiche und Privatpersonen getragen. Dabei trägt sie das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI). Schirmherr ist der ehemalige Tagesthemen-Moderator und Journalist Ulrich Wickert.
"Solidarität erfahren, eigenes Engagement belohnt sehen"
Köln/Berlin – Die Deutsche Entwicklungshilfe für soziales Wohnungs- und Siedlungswesen e. V. (DESWOS) leistet seit 1969 Hilfe zur Selbsthilfe beim Bau von Wohnraum für notleidende Familien in Entwicklungsländern und bei der Sicherung von Existenzen, um Wohnungsnot und Armut zu bekämpfen. Mit ihrem Schirmherrn, „Mister Tagesthemen“ a. D. Ulrich Wickert, hat die DESWOS, die von den im GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen organisierten Verbänden der Wohnungswirtschaft und deren Mitgliedsunternehmen getragen wird, bereits seit einigen Jahren einen besonders beliebten und engagierten Unterstützer. Im wi-Sommerinterview gibt der wohl bekannteste Nachrichtensprecher der deutschen Fernsehgeschichte einen persönlichen Einblick in sein Engagement für die Entwicklungshilfe im Wohnungswesen.
Seit wann engagieren Sie sich als Schirmherr für die DESWOS und wie kam es dazu?
Ich bin seit vielen Jahren mit Projekten für Kinder in Entwicklungsländern befasst, das bedingt meine Tätigkeit im Kuratorium der Hilfsorganisation PLAN International. Zur DESWOS kam ich über meine Bekanntschaft mit dem ehemaligen Präsidenten des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, Lutz Freitag, damals Vorsitzender des Verwaltungsrats der DESWOS. Bei der gemeinsamen Arbeit im Rundfunkrat des NDR hat er mich für die Projekte der Wohnungswirtschaft in den Entwicklungsländern interessiert. Ich habe vermutet, dass es in dieser Branche ein großes Potenzial gibt, Wohnlösungen zu entwickeln und das als gemeinnützige Aufgabe anzugehen. Mit meiner Schirmherrschaft, die ich im Jahre 2004 – im 35. Jubiläumsjahr der DESWOS – übernahm, möchte ich die Entscheider in den Unternehmen ermutigen, die Arbeit der DESWOS mit Spenden und durch öffentliche Aktionen zu unterstützen. Dieses Engagement und diese gesellschaftliche Verantwortung stehen einem so großen Verbund von Unternehmen wie dem GdW gut an und sollten für eine so bedeutsame Branche selbstverständlich sein.
Welche Bedeutung hat das Thema Wohnen für Sie persönlich?
Da bin ich ganz urwüchsig. Mir reicht es, wenn es warm und hell ist. Groß muss es nicht sein. Aber je besser, desto lieber.
In der Erklärung der Menschenrechte ist im Artikel 25 auch das Wohnen als Menschenrecht aufgeführt. Wir sehen das Recht aber für mehr als eine Milliarde Menschen noch nicht eingelöst. Was muss sich ändern?
Zum einen brauchen wir in den Entwicklungsländern konkrete Beispiele des Bauens und Wohnens in einer angepassten Form, die es den Menschen ermöglicht, sich selbst zu helfen. Dazu gehören technische Lösungen, die auf der Höhe der Zeit sind, also energiearme Baustoffe, energiesparende und ausbaufähige Hausdesigns. Die Konzepte müssen mit der Situation der Menschen vor Ort korrespondieren. Wir benötigen selbsthilfefreundliche Konzepte, einfache Bauweisen, die schnell erlernt werden können und die die örtliche Baukultur aufnehmen, vielleicht auch verbessern, wo nötig. Zum anderen brauchen wir aber auch Organisationsformen, die helfen, eine gute Nachbarschaft entstehen zu lassen. Gemeinsam planen und arbeiten, um eigene Ziele zu erreichen, das bringt die Menschen zusammen. Solidarität zu erfahren und eigenes Engagement belohnt zu sehen, das gehört zur Menschenwürde. Natürlich darf man aber auch die Staaten nicht aus ihrer Verantwortlichkeit entlassen. Auch der Selbsthilfe-Hausbau braucht Unterstützung, durch angepasste rechtliche Rahmenbedingungen und durch günstige Kredite. Dafür kann die Entwicklungszusammenarbeit ein Katalysator sein.
Die Wohnungsunternehmen in Deutschland bauen und verwalten Häuser mit hohen Wohnwerten und Standards. Wie können sie sich gegen die Wohnungsnot in den Entwicklungsländern engagieren?
Die Entwicklungszusammenarbeit hat sich nach meiner Auffassung an die Armen dieser Welt zu wenden. Sie muss dort handeln, wo private Unternehmen nicht investieren werden, weil es kaum zahlungsfähige Nachfrage gibt. Mit der DESWOS ist es den Wohnungsunternehmen jedoch möglich, hier eine gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen, die sich für Wohnungsgenossenschaften historisch und ideell begründet. Selbsthilfe und Solidarität sind Schlüsselwörter, die in unserer Gesellschaft in den letzten Jahren in Vergessenheit geraten sind. Wir brauchen neue Impulse für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Mit jeder Spende und jeder Aktion für ein Projekt der DESWOS senden die Wohnungsunternehmen solche Signale aus. Das ist wohltuend in einer Gesellschaft, die an vielen Stellen den Eigennutz als einzigen Wert propagiert.
Wird die Bedeutung des menschenwürdigen Wohnens in der Entwicklungszusammenarbeit aus Ihrer Sicht in den nächsten Jahren zunehmen?
Ich hoffe es wenigstens. Wir werden unter Hochdruck an gerechten Teilungen des Wohlstands arbeiten müssen, im eigenen Land wie in unserem Verhältnis zu den Entwicklungsländern. Die innige Verbrüderung der Geld- und Machteliten und die Konzentration des Reichtums auf Wenige lassen sich nicht legitimieren. Menschwürdiges Wohnen wird eingefordert werden, ebenso wie das Recht auf Nahrung, Bildung oder Gesundheit.
Gibt es ein Projekt der DESWOS, das Ihnen als Schirmherr besonders am Herzen liegt?
Es ist schwer, ein Projekt besonders herauszustellen, denn die Not ist natürlich in allen von der DESWOS vorgestellten Projekten groß. Wenn ich aber auf besondere Begleitumstände schaue, so sehe ich im indischen Idukki District das Projekt „Barrierefreies Wohnen“ von Familien mit Behinderten als wegweisend an. Es ist auf eine ganz praktische Weise beispielgebend. Wir bauen mit den Familien und geben den Behinderten eine neue Rolle in der Familie. Was aber ebenso wichtig ist: Wir sensibilisieren auch die Nachbarschaft, in ihre Selbsthilfegruppen Behinderte aufzunehmen. Sie bekommen in diesem Projekt die Chance eines angepassten Arbeitsplatzes für ein eigenes Einkommen. Welch ein Wandel für die Familien!
DESWOS Deutsche Entwicklungshilfe für soziales Wohnungs-und Siedlungswesen e.V.
Innere Kanalstr. 69
50823 Köln
Tel. : 0221 57 989 30
Fax: 0221 57 989 99
Website: www.deswos.de