
Bearbeitung:
Stefan Rein
Kurzinhalt:
In den letzten Jahren haben deutliche Strukturveränderungen im Baubereich stattgefunden. Maßnahmen am Gebäudebestand sind mittlerweile sowohl im Wohnungs- als auch im Nichtwohnungsbau die bestimmende Größe bezüglich der Bauinvestitionen. Darauf weist das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in einer aktuellen Studie hin. Inzwischen finden zwei Drittel der gesamten Bautätigkeit in den Beständen statt. Im Wohnungsbau liegt die ermittelte Quote sogar schon bei über 78 %.
Im Jahr 2010 wurden von 156 Milliarden Euro, die in den Wohnungsbau flossen, rund 122 Milliarden Euro durch Bauleistungen an bestehenden Wohngebäuden generiert.Mitte der neunziger Jahre erfolgte dagegen noch die Hälfte aller Wohnungsbauinvestitionen im Neubau. Seitdem haben sich die Schwerpunkte kontinuierlich verlagert. Seit dem Jahr 2000 lagen die Bestandsinvestitionen über dem Wohnungsneubauvolumen. Im Jahr 2010 erreichte der Wohnungsneubau mit rund 34 Milliarden Euro nur noch einen Anteil von 22 Prozent der Wohnungsbauleistungen. Die in der Öffentlichkeit vielfach beschworene Krise im Wohnungsbau zeichne ein falsches Bild der Lage, so die Studie. Seit 2005 sei das Bauvolumen im Wohnungsbau vielmehr zunehmend, da die Bestandsinvestitionen den Rückgang im Neubauvolumen ausgleichen und in den meisten Jahren sogar überkompensieren konnten. Im Nichtwohnungsbereich ist der Trend zu Bestandsmaßnahmen ebenso eindeutig nachvollziehbar. 2010 betrafen dort zwei Drittel aller Maßnahmen bestehende gewerbliche oder öffentliche Gebäude.
Die Studie des BBSR stützt sich bei Ihrer Betrachtung auf die Bauvolumenrechnung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin. Das Konzept des Bauvolumens ist dabei weiter gefasst als die Bauinvestitionen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des Statistischen Bundesamtes. Das Bauvolumen schließt alle Leistungen, die auf die Herstellung oder bauliche Erhaltung von Bauwerken gerichtet sind mit ein. Es umfasst damit auch "nichtinvestive" Bauleistungen wie nicht werterhöhende Reparaturen und Instandsetzungen. Damit wird eine umfassendere Abbildung der Bauaktivitäten erreicht.
Erstmals wurden die makroökonomischen Daten des Bauvolumens diesmal durch eine Primärerhebung zum Umfang und Struktur der Maßnahmen in den Gebäudebeständen ergänzt. Dabei wurden sowohl Privathaushalte als auch gewerbliche Wohnungsunternehmen in einem repräsentativen Panel befragt. Die Bestandsmaßnahmen wurden nach verschiedenen Kriterien differenziert erhoben.
Zentrales Ergebnis für den Wohnungsbau: Über ein Drittel aller Modernisierungsmaßnahmen waren energetisch bedingt. Rund 40 Milliarden Euro flossen im Jahr 2010 in die energetische Verbesserung des Wohnungsbestandes. Damit erreichte die energetische Modernisierung einen Anteil von 36 Prozent des gesamten Bestandsbauvolumens. Zur energetischen Modernisierung wurden, von den Gutachtern, dabei alle Maßnahmen der Wärmedämmung (an Dach, Fassade etc.), der Austausch von Fenstern und Außentüren, die Erneuerung der Heizung sowie der Einbau von Solarthermie oder Photovoltaikanlagen gezählt. Alle anderen Maßnahmen wurden den sonstigen, nicht-energetischen Maßnahmen zugeordnet.
Weitere Informationen und die vollständigen Gutachten zum downloaden finden Sie im Extranet.