Wohnen und Stadt

Für den Lebensalltag der Menschen, besonders aber für die Älteren, haben das kommunale und das lokale Umfeld eine besondere Bedeutung. Die Infrastruktur und die sozialen Netzwerke vor Ort bestimmen maßgeblich die Qualität des Lebens im Alter mit. Dabei geht es vor allem um die gesundheitliche Versorgung, pflegerische Versorgung sowie Wohnen und Wohnumfeld. Das ist ein wesentliches Ergebnis des im November 2016 veröffentlichten 7. Altenberichts der Bundesregierung "Sorge und Mitverantwortung in der Kommune – Aufbau und Sicherung zukunftsfähiger Gemeinschaften". Der Bericht zeigt auf, was die Politik auf lokaler Ebene tun kann, um für alle Menschen ein möglichst selbstbestimmtes Leben im Alter zu ermöglichen.

Über fünfzig Seiten widmen die Autoren dabei allein dem Thema Wohnen und Wohnumfeld. Dabei stützen wesentliche Empfehlungen der Kommission die Position des GdW:

  • Der Staat soll Anreize schaffen, damit ältere Menschen und die Wohnungswirtschaft stärker in barrierefreien beziehungsweise -armen Wohnraum investieren und den potenziellen Nutzen technischer Angebote erkennen können. Bund und Länder sollten dazu ihre Förderprogramme für einen altersgerechten Umbau von Wohnungen und des Wohnumfeldes ausbauen und auf Dauer gewährleisten.
  • Die Anpassung der baulichen Strukturen sollte stärker in die Erneuerungsprogramme im Bestand einbezogen werden. Gezielte Zuschüsse für bestimmte Umbaumaßnahmen sind deutlich besser geeignet als die Vergabe zinsgünstiger Kredite, weil so auch private Wohnungseigentümerinnen und Wohnungseigentümer sowie Mieterinnen und Mieter mit mittleren Einkommen zum Umbau motiviert werden können.
  • Die Beratung über die Formen, die Möglichkeiten und die Bedeutung der altersgerechten Wohnungsanpassung sollte ausgebaut werden.

Ausführlich setzt sich die Kommission mit der Bedeutung technischer Assistenzsysteme auseinander. Sie fordert, älteren Menschen hier den Zugang zu ermöglichen und verweist zustimmend mehrfach auf den vom GdW herausgegebenen und gemeinsam mit SIBIS, Berlin, und InWIS, Bochum, erstellten Endbericht "Technische Assistenzsysteme für ältere Menschen – eine Zukunftsstrategie für die Bau- und Wohnungswirtschaft. Wohnen für ein langes Leben/AAL." Eine Umsetzung technischer Assistenzsystem im Regelbetrieb setze voraus, so die Kommission, dass bislang fehlende Standards entwickelt werden und die Interoperabilität von Systemen sichergestellt wird. Dazu müssten die Hersteller und Anbieter von technischen Assistenzsystemen kooperieren.

Die Kommission sieht zwei Voraussetzungen für einen regelhaften Einsatz von Assistenzsystemen: Erstens müssen unter Einbeziehung verschiedener relevanter Akteure tragfähige Geschäfts- und Finanzierungsmodelle entwickelt werden, um die Kosten für die privaten Haushalte zu senken. Zweitens müssen die Assistenzsysteme so gestaltet sein, dass ältere Menschen sie im Alltag nutzen können und auch wollen. Geeignete technische Assistenzsysteme sollten in das Leistungsrecht der Kranken- und Pflegekassen aufgenommen und mit höheren Zuschüssen für förderfähige Hilfsmittel (Pflegehilfsmittelverzeichnis) versehen werden. Auch diese Forderungen entsprechen der GdW-Position.

Konkrete Vorschläge und Empfehlungen gibt die Sachverständigenkommission auch zu den Themen Gesundheit und Pflege. Ein Schwerpunkt jedoch sind Empfehlungen für die lokale Politik. Die Kommission rät Kommunen, Ziele in den Handlungsfeldern Gesundheit, Pflege und Wohnen für ältere Menschen in sektor- und ebenenübergreifenden Netzwerken kooperativ auszuhandeln und zu vereinbaren. Kommunen müssten die für diese Rolle notwendigen Kompetenzen entwickeln. Die dafür notwendigen finanziellen Handlungsspielräume könnten laut der Kommission mithilfe eines Daseinsvorsorgeprogramms von Bund und Ländern gesichert werden. Denkbar sei eine Finanzierung im Zuge der Neuausrichtung des Solidarpakts II über eine neue Gemeinschaftsaufgabe „Daseinsvorsorge für strukturschwache Kommunen“. In einem neuen "Leitgesetz" sollten gesetzgeberische Aktivitäten des Bundes und der Länder zudem stets daraufhin geprüft werden, ob sie Kooperation, Vernetzung, Aushandlung und die Überwindung von Segmentierungen fördern oder erschweren.

Der Langfassung des 7. Altenberichts sowie eine redaktionell gestaltete Kurzfassung sind online über https://www.siebter-altenbericht.de/ abrufbar.

Ansprechpartner zum Thema

Dr. Claus Wedemeier

Dr. Claus Wedemeier

Tel.: 030 82403-155

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